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Wirtschaftspsychologie: Wie humane Arbeitsorganisation ökonomisch attraktiv wird

Nur etwa 16 Prozent der Arbeitnehmer sind mit Herz, Hand und Verstand bei ihren Aufgaben. 68 Prozent machen lediglich Dienst nach Vorschrift, und 16 Prozent haben innerlich gekündigt. Diese Befunde der letzten Gallup-Umfrage werfen ein dramatisches Licht auf die aktuelle Berufswelt. Die Mehrheit der Erwerbstätigen arbeitet teilweise oder überwiegend mit Menschen, die einander das Leben mehr oder minder schwer machen. Welche Arbeitsbedingungen begünstigen in diesem Kontext eine optimale, realistische Motivation? Der Psychologe Prof. Dr. Winfried Hacker liefert und begründet die Details in seinem Handbuch „Arbeitsgegenstand Mensch: Psychologie dialogisch-interaktiver Erwerbsarbeit“.

Hacker nennt acht wesentliche Voraussetzungen

  1. Die Arbeit ist möglichst vollständig, d.h. die/der Betroffene kann erkennen, was sie/er selbst leistet.
  2. Die Aufgabe ist als Beitrag zum Gesamtgeschehen des Unternehmens bzw. der Gesellschaft erkennbar.
  3. Die Arbeit enthält auch bei Spezialisten eine gewisse Vielfalt und erschöpft sich nicht ausschließlich in Routine.
  4. Auch bei einer notwendigen Regelungsdichte besteht ein gewisser Handlungsspielraum – hinsichtlich Arbeitstempo, Abfolge, Vorgehen.
  5. Die/der Betroffene erhält sinnvolle Rückmeldungen.
  6. Die Arbeit entspricht der Qualifikation und den Ressourcen der/des Betroffenen. Unterforderung ist noch ungünstiger als Überforderung.
  7. Berufstätige erhalten Spielraum, sich weiter zu entwickeln.
  8. Eine sozial isolierende Arbeit ist in jedem Fall zu vermeiden.

Ein Bankberater ist ein klassisches Beispiel für einen schlechten Arbeitsplatz: Ihm wird vorgeschrieben, welche Finanzprodukte er dem Kunden empfehlen soll. Er weiß, dass der Kunde in aller Regel bei dem Geschäft verliert, die Bank jedoch und er selbst kurzfristig gewinnen. Dem Bankberater fehlt der Handlungsspielraum, und seine moralisch fragwürdige Vorgehensweise isoliert ihn psychosozial gegenüber seinen Kunden.

Eine Pflegekraft im Altenheim mit einem vorgeschriebenen Zeitbudget, also eingeengtem Handlungsspielraum kann ihren Klienten u.U. nicht gerecht werden, ist überfordert und fühlt sich schuldig. Auch dies bedeutet eine psychosoziale Isolation.

Das sozialwidrige Verhalten des Bankberaters und das Schuldgefühl der Pflegekraft sind psychologisch grundverschiedene Phänomene, wirken jedoch in die gleiche Richtung: Emotionale Lebensqualität und Arbeitskraft sinken. Kurzfristig mögen Bank und Altenheim wirtschaftlich profitieren, doch langfristig bleiben Personalprobleme und Turbulenzen nicht aus.

Winfried Hacker, Nestor der Arbeitspsychologie in Deutschland, skizziert in seiner Monografie Schritt für Schritt Möglichkeiten, humane und ökonomisch ertragreiche Arbeitsorganisation umzusetzen. Das Lehrbuch ist eine wissenschaftlich fundierte, praxisorientierte Fundgrube für Personalverantwortliche und ihre BeraterInnen.

arbeitsgegenstand-menschWinfried Hacker: Arbeitsgegenstand Mensch – Psychologie dialogisch-interaktiver Erwerbsarbeit. Ein Lehrbuch.
Pabst, 340 Seiten, ISBN 978-3-89967-560-3
© Robert Kneschke – Fotolia.com

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